Monday, March 8, 2010

Blog Neuigkeiten!

Hey Leute,

kurz das Wort zum (noch) Sonntag.

Ich habe jetzt einen Blog auf Englisch anfangen, um meinen internationalen Familien- und Freundeskreis ebenfalls mit meinen heiteren Weisen erfreuen zu koennen. Gleiches Recht fuer (fast) alle.

Ich werde nicht alles einfach uebersetzen, sondern vielleicht auch andere Dinge dort posten. Je nach dem wie ich gerade lustig bin. Es lohnt sich auf jeden Fall ab und an vorbeizuschauen.

Den Link zusammen mit den Links zu den Blogs befreundeter Mitfreiwilliger koennt ihr rechts am Rande finden. Auch dort gilt: Kommentare willkommen.

Es wuerde mich auch sehr gluecklich machen, ein paar mehr Leute zu haben, die meinem Blog folgen. Dazu muesst ihr nur rechts am Rand auf "diesem Blog folgen" klicken und euch, wenn ihr ein gmail, yahoo, twitter, aol oder blogspot Konto habt, einloggen. Faende ich super! :-)

Ausserdem habe ich jetzt das Feature der Blogbewertung eingebaut. Also alle von euch, die keine Lust haben, mir ein Kommentar zu schreiben, koennen nun am Ende eines Artikels einfach eine Bewertung vornehmen. Das gilt auch fuer aeltere Artikel. Ich wuerde mich freuen, wenn ihr dieses Extra in Anspruch naehmet; am besten zusammen mit einem Kommentar. ;-)

Nochmal: Um ein Kommentar zu hinterlassen muss man sich NICHT irgendwo anmelden. Einfach schreiben und abschicken. Ich freu mich.

Bis bald, euer Jan

Friday, March 5, 2010

Hausintern II oder Mein armer Blutdruck!!

Ok, ich weiss, dass ich eigentlich erst Teil II des ueberaus interessanten und fesselnden Midstay Camp Artikels bringen muesste, aber es hat sich eine kritische Aenderung in meinem Alltagsleben ergeben, die sofort adressiert werden muss. Alleine schon, um ein Ventil zu haben und mal Dampf ablassen zu koennen. Sonst speichere ich nur meine aufgestaute Wut in Form von Kummer und Ressentiments in mein Langzeitgedaechtnis.
Es geht um unsere Hausangestellten. Seitdem ich hier bin (etwa 2.5 Monate), hatten wir sieben verschiedene Hausmaedchen. Nach Aussagen meiner Eltern hatten sie alle einfach nach einer gewissen Zeit keine Lust mehr zu arbeiten und sind dann spontan nicht mehr gekommen, teilweise auch ohne ihre Kleidung abzuholen. Dazu muss ich hinzufuegen, dass unsere Angestellten, immer zwei gleichzeitig, beide ihre Raeume in einem Haeuschen im Garten haben. Dieser hohe Verschleiss an Arbeitskraeften steht sehr im Gegensatz zu meinen ersten beiden Familien, die dieselben Angestellten bereits mehrere Jahre beschaeftigen und fast so etwas wie Freunde fuer sie sind. Da sie aber die Freunde meiner Feinde waren, waren sie zugleich auch meine Feinde. Da meine jetzige Familie als "Freunde" oder aber vor allem auch wirklich als "meine Familie" bezeichnet werden kann und jedes neue Hausmaedchen erst einen guten Eindruck bei uns machen will, gewinne ich quasi doppelt, da alle nett zu mir sind; teils weil sie mich moegen und teils weil sie beruflich dazu verpflichtet sind. Wobei ich mir auch Muehe gebe, nett zu den Hausangestellten zu sein, was dazu fuehrte, dass mich auch alle, meiner beschraenkten Ansicht nach zu urteilen, ganz gerne haben bzw. hatten.
Nun habt ihr ja noch sicherlich den Eintrag "Hausintern" im Gedaechtnis. Es ging darum, dass sich die Angestellten unter sich zurechtwiesen und sich gegenseitig daran erinnerten wie wichtig es sei einen Job zu haben, waehrend ich dabei stand und ignoriert wurde und so Maeuschen spielen konnte, gleichzeitig aber lautstark meinen Shake mixte.
Nun, vor einer Woche haben alle spontan gekuendigt und wir waren ein paar Tage ohne Unterstuetzung. Nun fragt sich der Durchschnittsdeutsche sicherlich, wo darin das Problem liegen soll, da das alltaegliche Leben in andern Laendern, besonders in Industrienationen, schliesslich auch wunderbar ohne Haushaltshilfen funktioniert. Nun, dazu muss man sagen, dass meine kleinen Brueder schon noch Hilfe brauchen, meine Gasteltern keine Zeit haben zu kochen, ich dazu keine Lust habe und sich die hiesige bourgeoise Familienstruktur im Laufe der Jahre auch danach ausgerichtet und entwickelt hat.

Auch ist es vielleicht interessant fuer euch zu erfahren wie man neue Arbeitskreafte findet, da es dafuer ja nicht so etwas wie ein Arbeitsamt gibt. Gewoehnlich fragt man Freunde oder Bekannte, ob diese nicht eine Haushaltshilfe zu viel haben oder jemanden kennen, der jemanden kennt. Ihr seht, es ist immer etwas abenteuerlich und konfus hier.

Aber, jetzt haben wir ja wieder zwei Neue. So wie es scheint, arbeiten sie bisher nur halbtags, was dazu fuehrt, dass das Abendessen immer aufgewaermt werden muss, aber dennoch koestlich ist. Es kann aber auch sein, dass beide nur uebergangsmaessig da sind. Eine von ihnen kann ich auch total gut leiden und sie kocht unglaublich lecker. Es schmeckt wirklich wie in einem Restaurant, wenn sie kocht. Waere es verwegen zu sagen, fast so gut wie wenn ich selbst koche? ;-) Hm, vermutlich schon.
Wie dem auch sei, die andere war schon mal bei uns gewesen, damals, aber nur fuer etwa eine Woche. Es ist die Einzige, die ich wirklich nicht leiden konnte. Und sie ist zurueck. Warum ich mit ihr gestraft wurde, weiss ich nicht, aber es geht mir ordentlich auf die Nerven. Waehrend die Vorherigen jung, verschwiegen und gehorsam waren, ist dieses Subjekt das genaue Gegenteil. Sie labert immer lauthals ueber irgendwelches, absolut irrelevantes Zeug und versucht mich dann meistens noch in eines ihrer droegen Gespraeche zu verwickeln. Ich habe sie auch noch von damals in Erinnerung als sie mir morgens vorschreiben wollte, was ich beim Fruehstueck zu essen haette und dass Wasser nicht dazugehoere. Das hab ich ja besonders gern, wenn man mich in diesem Feld belehrt.

Der Grund, warum ich heute all dies aufschreibe, der Tropfen also, der mein emotionales Fass zum Ueberlaufen brachte, war, dass sie mich mal wieder morgens aufgeweckt hat, was absolut nicht ihr Recht oder gar Pflicht ist; und das auch noch voellig vor der Zeit. Ich haette noch schlafen koennen! Ihre niedertraechtigen Absichten und Methoden erkennend, war mir bewusst, dass, wenn ich das Zimmer verliesse, sie sofort zu wischen etc. beginnen wuerde und sich nicht mehr vertreiben liesse. Meine Blase konnte dieser Logik leider nicht folgen. Daher wartete ich bis ich nichts mehr hoerte und schlich ich mich raus. Ohne jegliches Geraeusch.

Sie nennen mich auch Jan Bond.

Kaum war das Schloss des Badezimmers herumgedreht, hoerte ich allerdings sofort - als haette sie nur auf diesen Moment der temporaeren Impotenz gewartet - ein aechzendes Schleifen und Schleppen. Als ich wieder herauskam, war sie verschwunden, aber mein Bett war komplett abzogen, sodass ich nicht mehr darauf schlafen konnte. Anstatt es zu machen, ging sie aber weg und ich fand sie unten Tereré schluerfend vor, MEINEN LIEBLINGSSTROHHALM (Bombilla) BENUTZEND (den ich gerade verwenden wollte) und sah sie labern anstatt zu arbeiten. Das regt mich echt auf.

So, das wars auch schon. Ich hoffe sie geht bald wieder oder ich muss dafuer sorgen, dass sie gefeuert wird. Die Tatsache, dass sie gestern nicht da war und sonst auch nur halbtags meine Umwelt mit ihrer Praesenz verschandelt, ist fuer mich so etwas wie ein silberner Hoffnungsstreif am weit entfernten Horizont.

Wir werden sehen. Ich halte euch diesbezueglich auf dem Laufenden. Freut euch in der Zwischenzeit schon mal auf Teil II. Leider erst naechste Woche. Ihr wisst ja, bei wem ihr euch dafuer bedanken koennt. ;-)

Monday, March 1, 2010

AFS Halbjahres-Orientierung Teil I

Da nunmehr der Maerz angebrochen ist, halte ich es zeitlich fuer angebracht, euch eine Ereignisreihe von Ende Januar zu erzaehlen: Die "Orientación de Mitad de Estadía" (Midstay-Camp)

Im Allgemeinen umfasst unser Anderer Dienst im Ausland (ADiA) etwa ein Jahr. Dazu gehoeren neben dem eigentlichen Jahr ein zweiwoechiges Vorbereitungsseminar (VB), eine Halbjahresorientation sowie ein Nachbereitungsseminar (NB). Waehrend man normalerweise denken koennte, dass all diese Pflichtveranstaltungen aeusserst zaeh und langweilig sein koennten, so muss hier ein differenzierendes Licht ins Dunkel des Vorurteils gebracht werden.
Die VB beispielsweise war inhaltlich manchmal durchaus einschlaefernd. Dies wurde aber aufgehoben durch die Freundschaften, die mit anderen latino weltwaerts-Leuten geschlossen werden konnten und noch bis auf diesen Tag bestehen. Denn das gleiche ungewisse Schicksal hat viele zusammengeschweisst, auch wenn es selbst bei uns zu Cliquenbildung kam.
Der naechste Abschnitt war das Arrival-Camp, was dann aber irgendwie ausfiel, weil wir nicht ordnugnsgemaess und zum rechten Zeitpunkt in Paraguay ankamen. Es gab dann noch ein Camp fuer die FSJ'ler und Austauschschueler zu dem Steffi, Nic und ich allerdings nicht eingeladen wurden. Anfangs sehr darueber veraergert, dankte ich spaeter aus vollem Herzen dafuer, dass ich doch nicht mitgegangen war. Denn just in diesen Tagen wurde ich von einem ueblen Miasma heimgesucht, dass mich ans Bett bzw. die Toilette fesselte und so schnell nicht mehr losliess.
Damit war also die naechste obligatorische Huerde das Midstay-Camp. Waehrend es urspruenglich Ende Dezember stattfinden sollte, wurde dieser Termin von AFS ein paar mal hin und her verschoben um angenehm jede Reiseplanung fuer den Januar in den Lokus zu befoerdern. Besonders Steffi kann hiervon ein langes und klagenreiches Lied singen. Waehrend sie sicherlich am meisten unter der Inkompetenz und Willkuer gewisser Organisatoren zu leiden hatte, so koennen doch auch viele andere von uns dazu zumindest den Backgroundgesang uebernehmen.
Schliesslich wurde das Camp auf die Tage 27.-29. Januar angesetzt.
Normalerweise ist diese Halbjahresorientierung wirklich ein Camp, fuer das man sich ein nettes Hotel oder Motel bucht und ein paar Tage tagsueber Workshops hat und abends bis spaet in die Nacht Spass hat und sich Geschichten erzaehlt oder einfach abfeiert. So war es zumindest damals bei mir in den USA und bei der VB. Hier war die ganze Situation etwas anders, da wir nur zu dritt waren und zudem auch alle recht nahe beisammen wohnen. Aufgrunddessen fing der offizielle Teil jeweils um 9:00 Uhr morgens an und ging bis 16:00 nachmittags. Die ersten beiden Tage fanden im Hotel "Portal del Sol" statt, was mir ganz gelegen kam, da es gerade mal 15 Minuten Fussmarsch von meinem Haus entfernt liegt. Dennoch fuhr mich mein Gastvater am ersten Tag hin, um mir nebenbei die Gegend um unser Haus zu zeigen; so etwa das "Colegio Goethe" (lies "Gett"), auf das meine Gastbrueder gehen und auch die angeblich beste Schule Paraguays ist. Man lehrt hier neben Spanisch in einigen Faechern auch in Deutsch und in anderen in Englisch. Persoenlich kann ich sagen, dass es mit den Schulen an denen ich fuer gewoehnlich arbeite nicht zu vergleichen ist. Es wirkt fast wie eine Universitaet mit pedantisch getrimmtem Rasen und blitzblanker Fassade. Die meisten Bildungsanstalten hier koennen froh sein, wenn sie intakte Fensterscheiben haben.
Wie dem auch sei, nachdem die Orientierung begann, wurden wir zunaechst etwa zweieinhalb Stunden ueber die Geschichte Paraguays belehrt. Nicht unbedingt der Knueller, besonders, da wir dies schon mehrfach im Rahmen unseres Auslandaufenthaltes gelernt hatten und ich es persoenlich von jedem aelteren Paraguayo erklaert bekomme, den ich nicht sofort auf ein anderes Thema lenke. Aber immerhin war unsere Instruktorin, Maria-José oder auch Majo, eine Geschichtsstudentin, die den Stoff moeglichst begeistert rueberbrachte. Zum Mittagessen ging es dann ins "La Vienesa", ein ausgezeichnetes Bistro, das europaeische Kueche mit lateinamerikanischen Einfluessen aufs Koestlichste vereint. Dennoch fuehlte ich mich etwas in die US-amerikanische JimCrow-Zeit der Rassentrennung zurueckversetzt, da die Gaeste fast ausschliesslich hellhaeutig waren.
Dort trafen wir dann unseren ersten von insgesamt vier Gastrednern, der uns mit Informationen ueber das Bildungssystem Paraguays versorgte, waehrend wir uns an den gastronomischen Genuessen auf Kosten von AFS labten. Seinen Namen habe ich vergessen, aber er war recht jung und wollte interessanterweise auch lieber Englisch mit uns sprechen. Als ich dennoch nur auf Spanisch mit ihm parlierte, nahm er mir das dennoch nicht uebel. Nur meine Bemerkung, ob wir mit den Fragen nicht bis nach dem Essen warten koennten, stiess auf allgemeines Unverstaendnis am Tisch. Insgesamt war er recht gut informiert und liess sich durch meine teilweise absichtlich hinterlistigen Fragen (ich war immer noch etwas veraegert nicht in Ruhe essen zu koennen) nicht aus der Ruhe zu bringen. Schliesslich verwickelte ich ihn in ein Gespraech ueber das rechtliche System Paraguays und der USA. Gerade als ich mich wirklich fuer das interessierte, was er zu sagen hatte, mussten wir allerdings schon wieder ins Hotel gehen. Ich gab ihm meine Email-Adresse, um mir bezueglich einiger Fragen zu antworten. Er hat mir nie geantwortet. Er mag so europaeisch sein und so viel Englisch sprechen wie er will, man merkt wo seine Erziehung herkommt. Das ist jetzt wirklich nicht so boese gemeint wie es klingt. Es ist nun mal einfach Teil dieser Kultur nicht alles wortwoertlich zu nehmen. Da sind die meisten Deutschen ganz ganz anders.
Nach einer ausgedehnten Pause kam am Nachmittag noch eine weitere Rednerin, die ueber die persoenliche Entwicklung und deren Phasen referierte und anhand von verschiedenen Aktivitaeten vorfuehrte wie und ob wir uns schon veraendert haben. Insgesamt fand ich den Vortrag sehr interessant und auch aeusserst professionell durchgefuehrt. Diese Person war definitiv keine AFS-Angestellte. Im Gegenteil, sie erzaehlte uns, lange Zeit in New York gelebt und neben Paraguay auch in Oxford Soziologie und Paedagogik studiert zu haben.


[wir vertieft bei der Arbeit mit der zweiten Referentin] ;-)

Am naechsten Tag ging es weiter mit einem ehemaligen Professor der renommierten amerikanischen Emory Universitaet, der uns einen ausgedehnten Vortrag ueber u.a. das Lernen hielt, allerdings genau den Fehler machte, den er in seinen Ausfuehrungen am meisten anprangerte: Das einseitige Schwadronieren anstelle von aktivem Einbinden des zu Lehrenden, sprich uns. Dennoch war er ein intelligenter und interessanter Dozent.
Abschliessend wurden wir noch von einem viertem Redner unterhalten, der uns eine eintoenige Powerpoint-Praesentation vorfuehrte, dessen Inhalt ich nun aufgrund seiner Redundanz damals nicht festzustellen vermochte und ihn deshalb nun leider auch nicht mehr wiedergeben kann. Ich musste auch ganz dringend auf die Toilette und er wollte mich nicht lassen.
Das Ende des letzten Tags gab es noch die Moeglichkeit ein persoenliches Gespraech mit einem AFS Freiwilligen zu fuehren, falls man denn wollte. Ich wollte nicht und begab mich an den PC, um seit Laengerem mal wieder einen Blogartikel zu schreiben.

Das hier Wiedergegebene waren Tag 1 und 2. Fuer das Finale gingen wir auf eine kleine Reise in Paraguay, was meiner Meinung nach einen eigenen Artikel verdient. Also, bleibt dabei! :-)

Saturday, February 13, 2010

Meister Schwarzgurt und seine Todestechnik

Liebe Leser,

ich habe noch einige coole und auch laengere Stories parat und wie immer erzaehle ich davon und lass nichts hoeren.
Keine Angst, kommt noch. Jetzt wollte ich erstmal wieder eine lustige Zwischenepisode erzaehlen.

Ich war letztens mal wieder in meinem geliebten Fitnessstudio und hab mir die Hucke vollgeschwitzt als ich ploetzlich lautes Geschrei hoerte. Es war mal wieder ein Maedchen da, was nicht allzu oft vorkommt. Meistens gleicht die Atmosphaere einem Festival der oesterreichschen Hauptstadt (fuer alle Deppen: Wiener Fest :D). Jedoch hat das den Vorteil, dass es meist schoen umkompliziert und ruhig ist.
Auf jeden Fall hat dieses Maedchen gleich mal rumgeschrien und Laerm gemacht. Als ich mich umdrehte, sprang sie gerade hinter einen Typen, um sich vor jemandem oder etwas zu verstecken. Der Typ war dummerweise der most-hänschen (schwächste) Kumpane, der zugegen war, sodass er nicht wirklich eine Hilfe gewesen waere.
Aufs Aeusserste verwirrt, blickte ich mich dann kurz um und suchte nach dem Grund der Aufruhr. Dann sah ich es: Ein riesiger schwarzer Schmetterling attackierte sie. Im Nachhinein koennte es auch eine Fledermaus gewesen sein, keine Ahnung, hatte meine Brille natuerlich mal wieder nicht auf. Auf jeden Fall ging das Geschrei ein paar Minuten so weiter und der Chef-Krafttrainer stand gelassen nebendran und schluerfte seinen Tereré. Hauptsache cool aussehen, egal, was man macht. Das ist sein Motto. Ich bewundere ihn auch sehr, nebenbei bemerkt. :-D
Auf jeden Fall schien er irgendwann genug zu haben und wollte wohl weiter mit besagter Goere flirten, was er nicht konnte, waehrend sie rumrannte. Ein kurzer Wink zum Chef-Kampfsporttrainer und die Sache war geregelt. Dann kam naemlich ploetzlich irgendein Besen schwingender Muay-Thai Schwarzgurt angerannt. Ich wuenschte, ich haette es filmen koennen, aber nach kurzem Warten und Ausharren fuehrte er eine extrem geil anzusehende Schwingbewegung aus und zermalmte die Fledermaus an der Wand. Dann kehrte er sie mit dem Mordinstrument einfach weg.
Alter, hat mich das beeindruckt! Da habe ich beschlossen, dass ich dieses Jahr mit Kung Fu anfangen will. Wenn mich jemand nach meiner Inspiration fragt: Paraguay, Februar 2010, Meister Schwarzgurt und seine Todestechnik.
Nachdem der Nager beseitigt war, nickte der Krafttrainer zustimmend mit dem Kopf als sei sein Plan soeben wie gewuenscht ausgefuehrt worden. Danach widmete er sich wieder seiner Schuelerin und seinem Tereré. Und ich war einfach nur gluecklich dabei gewesen sein zu duerfen.

ihr Leute, postet mehr Kommentare! Please!!!

Danke:) euer Jan

Thursday, February 4, 2010

Hausintern

Muss mal eben was hoechst Interessantes schreiben, bevor ich es wieder vergesse.

Also die Sache ist die: Wir haben die ganze Zeit zwei Hausangestellte gehabt; eine etwas Aeltere, die wohl schon ewig hier ist und eine Junegere, die erst seit ca. drei Wochen bei uns arbeitet.
Seit gestern haben wir noch eine Dritte, auch noch nicht so alt, aber aelter als die Juengere.

Wie dem auch sei, gestern kam ich so um 5 Uhr rum vom Fitnessstudio nach Hause und hab mir grad meinen obligatorischen Eiweissshake in der Kueche gemixt. Meine Gasteltern waren arbeiten und mein aelterer Gastbruder angeblich im Studio, aber wohl eher wieder bei seiner Geliebten, die er bald verlassen muss und die deshalb keine richtige Beziehung will. Interessante Geschichte, aber ein andermal. Sonst waren nur meine kleinen Brueder daheim, die aber Playstation spielten und auch sonst nichts von der Welt mitbekommen. Sprich, ich war allein in der Kueche. Alle drei Angestellten, waren natuerlich auch dort, da sie dort ja den Grossteil ihrer Arbeit verrichten. So wie ich sie einschaetze, moegen sie mich alle, weil ich keine Forderungen an sie stelle wie der Rest der Familie und auch nicht staendig rumschreie wie meine Gastbrueder. Ausserdem, und das ist das, was die ganze Sache so spannend macht, denken sie alle, ich koenne kaum Spanisch. Zugegeben, ich bin kein Miguel Cervantes, aber ich kann Alltagsgespraechen auf normalem Level und Tempo schon ganz gut folgen.
Wie dem auch sei, ich stand also da, mixte meinen Shake und dann fing die dienstaelteste Angestellte ploetzlich an, die Juengste auszuschimpfen. Angeblich habe diese kurz vorher zu laut gesprochen oder irgendetwas gerufen, waehrend sich meine Gastmama unterhielt.
Die Hierarchie ist hier wirklich klar vorgegeben. Herren und Bedienstete. Ich sag das jetzt wirklich nicht, um irgendwie ueberlegen zu klingen. Es ist einfach nur so krass, weil in Deutschland, ja zumindest theoretisch alle gleich wertvoll sind.

Dann ging es auch gleich weiter.

"Du weisst doch, dass wir alle arm sind. Wir muessen so unser Geld verdienen. Wir koennen es nicht riskieren, rausgeworfen zu werden. WIr muessen hier alle drei zusammenhalten und -arbeiten. Versteht ihr das?"
Sie sprach beide an, obwohl die Neue weder etwas gesagt noch getan hatte. Vielleicht wollte sie auch ihre vergleichsweise hoehere Stellung hervorheben.
Dass die Juengere ihrer Bezeichnung gerecht wurde, zeigte sie dann auch als sie alles abstritt. Das erinnerte mich an meine Schulzeit und eine Lehrerstandpauke. Also ich kenne das von Mitschuelern, wohlgemerkt, nicht von mir selbst! ;-)
Es war wirklich total faszinierend, da zuzuhoeren. Sie haben nicht mal in Guaraní geredet, was ja kein Problem gewesen waere. Aber fuer Offizielles und Arbeitsgespraeche wird auch meistens das Spanisch verwendet. Hab mir dann noch ganz langsam Brote gemacht und mich an den nahegelegenen Esstisch gesetzt, um noch etwas mehr zuzuhoeren. Eine Konversation dieser Art hatte ich vorher noch nie beiwohnen koennen. Fand es total interessant.

Ist sowieso bemerkenswert. Mein Gastbruder wirft der Aeltesten immer wieder Dreistigkeiten an den Kopf und die lacht nur drueber. Keine Ahnung, ob es ihr was ausmacht, aber eine grosse Wahl hat sie da auch nicht. Wenn meine Eltern das aber mitbekommen, gibts immer ordentlich Aerger fuer ihn.
Dann erzaehlt sie auch immer meiner Gastmama, wann wir denn aufgestanden sind bzw. ob die Kleinen auch brav alles aufgegessen haben. Das finde ich immer etwas hinterlistig, weil ich mich daher manchmal fuer meine doch sehr flexiblen Arbeitszeiten rechtfertigen muss. Auf der anderen Seite wird mir aber jeden Tag das Bett gemacht und meistens auch noch frisch bezogen. Abwaschen, Auf- und Abdecken, Kochen und dergleichen fallen mir deshalb ebensowenig zu. Meine Waesche ist meistens immer schon am naechsten Tag gewaschen. Ein Service den ich selbst in den USA oder Deutschland nicht hatte. Naja, spaeter mal werd ich meine Kinder das aber alles machen lassen, da sie sonst noch so verwoehnt wie ich werden.

Das wars auch schon. Wollte euch das nur mal eben erzaehlen. Bis zum naechsten Eintrag,

euer Jan

Thursday, January 28, 2010

"Magische Momente" oder "Jan. Der Ja-Sager"

So,
hab gedacht, ich meld mich mal eben wieder. Bin grad auf nem AFS Camp und es geht mal gar nichts ab. Also carpo ich den diem und erzaehl euch ne kleine Geschichte, die sich vorgestern ereignet hat.

Ich war mal wieder auf der Arbeit und hab mich angeregt mit zwei Kollegen unterhalten. Es war schon spaet und daher tranken wir erstmal unseren Vieruhr-Tereré. Ich war auch schon ueber eine halbe Stunde lang dort. Zeit zum Relaxen.
Dann lud mich Carlos, dem ich schluerfend beim Aufraeumen zusah, zu einer Illusionisten Show ein. Wie es meine Art ist, blockte ich gleich erstmal ab. Ich habe in den letzten Jahren die Einstellung entwickelt, dass ich immer erst alles genau pruefe und abwaege bevor ich mich enscheide. Damit fahre ich auch immer recht gut und erspare mir ueblicherweise auch Verletzungen und unschoene Ueberraschungen. Diese Faehigkeit verlaesst mich gelegentlich nach eingehendem Alkoholgenuss und fuehrt zu eher unvorhergesehen Aktionen. Doch dazu ein andermal mehr. Auf jeden Fall spuckte ich gleich ein paar Ausreden aus. Darin bin ich zugegeben recht trainiert und auch ueberzeugend.
Jeder moege selbst entscheiden, wie er das findet.
Dann sah ich allerdings die ehrliche Enttaeuschung in seinem freundlichen Gesicht und es tat mir schon auch ein wenig Leid. Wenn sich jemand hier jemals richtig gut um mich gekuemmert hat, dann er. Also ueberlegte ich schnell. Ich muss im Moment Geld sparen und ausserdem wollte ich noch ins Fitnessstudio bevor es zu spaet wuerde. Aber dann fasste ich den spontanten Entschluss, nochmal nachzufragen. Er meinte, der Eintritt sei frei. Nice! Hm, nun gut, ich geh ja auch fast jeden Tag in die Pumperei, vielleicht sollte ich stattdessen lieber dieses aussergewoehnliche Angebot nutzen. In Deutschland wuerde der Eintritt sicherlich ein Wochengehalt hier kosten. Ausserdem ist er ein guter Freund. "Dale, Carlito! Quiero irme!" (Alles klar, Carlito, ich will mitkommen!) Ihr haettet sein Gesicht sehen sollen.
Da hab ich schon geahnt, dass es die richtige Entscheidung sein wuerde. Da habe ich auch begriffen, dass man auch manchmal einfach Ja zum Leben sagen sollte; aehnlich wie im Jim Carry Film "Der Ja-Sager", wo der Hauptdarsteller sein Leben drastisch aendert, zu allem Ja sagt und letztendlich ein gluecklicherer Mensch wird. Die Handlung ist etwas komplizierter, aber im Grossen und Ganzen ist die Aussageabsicht, dass man zwar immer abwaegen sollte, aber sich ruhig auch mal an etwas Unbekanntes wagen sollte, was wunderbare Folgen haben kann.


Offizielles Filmplakat. Cooler Streifen!

Oder wie ein beruehmtes Sprichtwort sagt, das ich mir oft zu Herzen nehme:

"If you do what you always do, you'll get what you've always gotten."

Wenn du unzufrieden mit deinem Leben bist oder gefangen im Alltagstrott, mach doch mal was Spontanes, was Verruecktes. Vom Nichtstuns wird auch nix besser. Wenn wir aelter werden, tendieren wir dazu, ernster zu werden und unser Leben kontrollieren zu wollen. Keine Ueberraschungen. Keine Gefahren. Und auch keine Abwechslung.
Aber das sollte jederman fuer sich selbst entscheiden. Persoenlich bin ich auch ein grosses, der Homeostase verfallenes Gewohnheitstier, aber das heisst nicht, dass ich oder auch man seine ganze Existenz gleichfoermig verleben sollte. Wie dem auch sei, dieses Jahr hier gibt mir die unschaetzbar wertvolle Gelegenheit viel ueber solche Sachen nachzudenken und zu reflektieren. Ein Selbstfindungsjahr. Eigentlich bin ich deshalb ja gar nicht herkommen. Schon irgendwie lustig. Ein Jahr, das mich gefunden hat und mir hilft, mich selbst und andere besser zu verstehen. Fuer diese Erkenntnis bin ich sehr dankbar. Gott, mir selbst, meinen Mitmenschen. Wem auch immer.
Daher philosophiere ich auch immer so gerne hier. Mir fallen diese Dinge spontan beim Schreiben ein. Es ist als ob ihr mir beim Denken zusehen koennt. Schon ganz lustig. Mal gespannt, was ich in 20 Jahren zu diesen Zeilen denken werde.

Zurueck zu Carlos und der Magie. Die Sache stand also fest und nach einem kleinen Snack gings los.
Ah, noch ganz kurz: Hier trinkt man Instantkaffee, ein Art Kaffeebohnenmehlgranulat also, das man mit etwas Wasser und viel Zucker zu einer dicken suessen Pampe ruehrt. Diese wird dann in der Tasse mit heissem Wasser aufgefuellt. Als mir die Reinigungsfrau der Fundación eine solche Tasse anbot, ich aber ablehnte und stattdessen schwarz trank, war ihr dies voellig unverstaendlich. Ein anderes Mal trank ich lieber Wasser, da es sehr draussen heiss war, ich generell aber auch fast nur Wasser trinke. Ab und zu mal ein Bier, Saft oder Absinth. Als sie mich dann wassertrinkend sah, blickte sie voellig perplex die Kollegen um Hilfe suchend an. Sie verstand die Welt nicht mehr. Wasser zur Merienda (Snack, Zwischenmahlzeit)? Absolut undenkbar!
Ob ich weisse Broetchen zum Kaffee wolle. Nein, danke, aber die machen dick. Simple kurzkettige Kohlenhydrate - laueft nicht bei mir. "SKANDAL" stand ihr in den Augen geschrieben.
Es ist immer wieder lustig, wie leicht man als Auslaender manche Leute aus der Fassung bringen kann. Aber ich bin ihr nicht boese, der Guten. Sie kippte dann noch etwas mehr Zucker in ihre Tasse, um ihre Nerven zu beruhigen und setzte sich etwas gefasst wieder an den Tisch.
Auch stoert mich uebelst, dass sicher jeder Paraguayer als Mediziner sieht und meint Nahrungsmittelratschlaege geben zu muessen oder koennen. Waehrend bestimmte Kraeuter und Tees tatsaechlich auch helfen, stoesst es mir doch bitter auf, wenn mir gesagt wird, ich solle nicht soviel Wasser trinken. Das wuerde meinen Koerper doch versaeuern. Und nein, ich habe keinen Sprudel getrunken. Stinknormales Hazweioh. "No así. Te hace mal!" (So nicht. Das ist schlecht fuer dich.) ist der Standardsatz, den wohl jeder von uns Volu's sicher schon mehr als einmal gehoert hat. Auch solle man kein Brot mit Wasser trinken, da das dick mache. Wenn man ein Broetchen nass macht, wird es schliesslich auch aufgedunsen. An dieser Stelle: Einfach mal Klappe zu, ihr Quacksalber!

Und nochmal zurueck: Wir nahmen schnell einen Bus und waren innerhalb von zehn Minuten am "Centro Cultural de España Juan de Salazar (CCEJS)".


Das CCEJS bei Nacht in downtown Asunción

Das Innere sah sehr schoen und gepflegt aus. Es gleichte einer deutschen Galarie und stellte gerade Fotographien von heutigen Guaranie-Indianern in Alltagstracht aus. Es gab auch eine enorme Schlange von Leuten, die sich durchs komplette Museum zog. Wir hatten beide schon fast die Hoffnung ausgegeben und wollten schon den Tereré anbrechen. Dann gingen wohl irgendwo in der Ferne die Tueren zum Saal auf, in dem die Show stattfinden sollte, und wir setzten uns in Bewegung. Wir kamen auch noch rein, mussten uns aber auf den Piso (Boden) setzen. Innerhalb weniger Minuten war der gesamte Saal auch schon vollgepackt mit Schaulustigen. Klar, es war ja freier Eintritt. Da ist der Paraguayo (und ich auch) immer mit dabei.
Der Magier war in Wirklichkeit mehrere Artisten und kam vom Eingang herein. Sie wollten wohl einen coolen Auftritt hinlegen, rechneten allerdings nicht mit jener Menge von Leuten und waren gezwungen sich an den Piso-Besuchern vorbeizuzwaengen. Mega-Uncool! Aber davon liessen sie sich nicht die Laune verderben und legten eine Supershow mit Bauchredner, schwebender Frau und etlichen Taschenspielertricks hin. Der Moderator war im Uebrigen ein Zwerg. Ich hatte noch nie einen hier gesehen. War sehr lustig. Vor allem auf Spanisch. Die Truppe kam unter anderem aus Argentinien und den USA, was sich an dem sehr markanten Dialekt bzw. Akzent erkennen liess. Insgesamt hat mir die Show extrem gut gefallen, nur leider hatte ich waehrenddessen derbe Ruecken- und Beinschmerzen, da ich mich zwischen den ganzen Leuten so verbiegen musste. Aber da ich ja hier bin, um meine soziale Flexibilitaet zu verbessern, habe ich mich nicht weiter darueber aufgeregt.. ;-)

Bis bald liebe Leute und ergreift die Chancen, die sich euch bieten. Vielleicht kommen sie niemals wieder!! Denkt an meine Worte! ^^

herzlichst, euer Jan!

Tuesday, January 26, 2010

Ein Tag in der saubersten Stadt der Welt

Wie bitte? Hab ich da richtig gehoert? Dieser "Wunderknabe meets Teufelskerl" kriegt wohl nicht genug und muss jetzt einen weiteren, fast unglaublichen Superlativ von der Stange lassen. Die sauberste Stadt der Welt? Nun zugegeben, es ist schon einige Jahre her, dass der paraguayischen Kleinstadt Atyra dieser Titel verliehen wurde. Mittlerweile hat sich da bestimmt eine US-Vorstadt an uns Tereré-Trinkern vorbeigemogelt. Aber dennoch, nach wie vor ist Atyra #1 in Paraguay.
Wenn man mich fragt, ist das aber alles Propaganda. Als ob es hier so sauber waer. Noch dazu sauberer als bei uns daheim in Deutschland, wo noch Zucht und Ordnung herrschen. Ich erwische mich jedesmal beim Durchfahren dieses Ortes nach Muell auf Strassen suchend. Erspaehe ich dann auch nur ein Bonbonpapier kann ich mir ein selbstgefaelliges Grinsen nicht verkneifen. Dennoch ist die Stadt verglichen mit dem Rest des Landes tatsaechlich auffaellig sauberer.

Atyra bei Sonnenschein mit Party-See im Hintergrund

Der Grund, warum ich diese Stadt ueberhaupt ins Gespraech bringe, ist, weil ich gestern einen Tag dort auf der Quinta (sp. fuer "Landhaus", lies "Kinta") meines Onkels verbracht habe. Mitgenommen haben mich mein Gastbruder Enrico und mein Gastvater Jorge. War sehr cool. Wir sind etwa eine Stunde mit dem alten Pick-Up Truck meines Onkels von Asunción aus dorthin gefahren, um ein Quad zu uns nach Hause zu transportieren. Warum? Ganz einfach. Mein Gastbruder muss im Moment noch zu einem Privatlehrer. Fuer ihn gehts ja bald nach Deutschland. Daher wird jetzt, waehrend die anderen Ferien haben, ordentlich gepaukt. Der Weg zum Lehrer ist etwas weit. Auf Bus und Laufen hat er keinen Bock. Loesung: Mim Quad zum Pauken brettern. Auch geil. Fuehrerschein? Wird sowieso total ueberwertet. Außerdem fährt ein Quad mit Benzin und nicht mir Führerschein.

Aber ich greife vor. Wir kamen an der Quinta an und sofort stiessen wir auf das Portal, das uns entgegen laechelte. Verwoben in das gusseiserne Tor waren die Worte "Las Trillizas" (sp. fuer "Die Drillinge", da er Drillingstoechter hat).
Kaum ausgestiegen (ich musste warten, weil mich hinten die Kindersicherung nicht rausliess), kamen dann auch schon die drei Hunde des Gutshofs. Einer davon ist ein goldener Labrador namens Scott. Total suess, wenn auch etwas haessliche Augenpartie. Warn alle total lieb und ham mich auch angesprungen. So muss es sein. Die andern beiden waren ein Schaeferhund (Linda) und ein mittelgrosser Mischling (Roy).
An dieser Stelle moechte ich nochmal erwaehen, dass ich kleine Hunde (ausser Welpen natuerlich) aller Arten und Farben verabscheue. Drecksviecher! Ich kann nicht verstehen, warum man sich so einen dummen Klaeffer holt, der nur jault, zwischen den Beinen rumlaeuft und meist noch haesslich ist. Also mein Vorschlag zur Guete. Bitte alle nur noch mindestens mittelgrosse Koeter anschaffen, dann sterben die kleinen vielleicht mal aus.
Zureck zum Thema. Dort angekommen hat mich Enrico erstmal rumgefuehrt. Insgesamt ist das Grundstueck sehr gross und auch gut von den Hausangestellten gepflegt. Es gibt ein Trampolin, mehrere Spielplaetze fuer die Maedchen, ein natuerliches Schwimmbad, das sich fuellt, wenn man den Bachlauf aendert, und viele viele viele Obstbaeume. Am hoeher gelegenen Obsthain angekommen, haben wir erst mal Sternfrucht (auch Karambole genannt) und Guayaba gegessen. Letztere hab ich an jenem Tag zum ersten Mal gesehen. Keine Ahnung wie sie auf Deutsch oder Englisch heisst. Ich vermute, dass selbst der Name "Guayaba" Guaraní und nicht Spanisch ist. Es ist eine kleine, mirabellengrosse Frucht, die im Inneren etwas wie ein Granatapfel aussieht, aber keine harten Kerne hat. Der Geschmack ist ebenfalls unbeschreiblich; leicht suess und zitronig kaeme noch am naechsten. Glaube auch nicht, dass diese Frucht nach Deutschland exportiert wird. In diese Situation bin ich hier schon oefter gekommen. Es gibt Gerueche und Geschmaecker, die ungleich allem sind, was man in Deutschland oder auch den USA vorfindet. Ein tolles Erlebnis. Das erinnert einen immer wieder daran, wie gross und unbekannt die Welt wirklich ist. Meine Gastfamilie hat mir auch erzaehlt, dass es eine todsichere Methode gibt, zu wissen, ob die Fruechte reif sind. Wenn sich die Larven einer bestimmten Fruchtfliege im Inneren tummeln, dann ist es soweit. Die kleinen Krabbler werden natuerlich mitverspeist. Um seinen Punkt zu beweisen, zeigte mir spaeter mein Gastvater eine geoeffnete Frucht mit der kleinen weisslichen, sich windenden Made. Dann ass er sie. Standard. Ich musste fast kotzen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon mehrere Exemplare gegessen.


Karambola oder auch Sternfrucht

Kurz darauf wurden wir beide zum Fruechtesammeln losgeschickt. Enrico kramte dafuer das Mini-Quad seiner Cousinen hervor. Ob Mini oder nicht, das Ding faehrt auf jeden Fall an die 50 km/h. Er bat mich, hinten aufzusteigen. Wir fuhren los und da ich mich nirgendwo festhalten konnte, fiel ich direkt runter. Unschoen. Naja, ich bin eigentlich eine sehr vorsichtige Person. Habe mir noch nie etwas gebrochen und verletze mich sehr selten aus eigenem Verschulden. Auch habe ich nie ein Mofa, Moped, Roller etc. besessen und verfuege nicht ueber eine enge persoenliche Bindung mit Freizeitfahrzeugen. Kurz gesagt, ich hatte keinen Bock dem Scheissding nochmal naeher zu kommen. Das wurde auch nicht besser, als mich mein Gastbruder ein paar mal fast umfuhr. Auf jeden Fall gab es eine Sache, die meine Meinung aenderte: Es gab Kuehe. That's right, baby! Und sie haben Schiss vor Quads. Sofort hatte ich die selbe Idee, die auch aeltere Herrschaften haben bevor sie einen Strip-Club frequentieren: Euterjagd! :-D
Enrico machte es vor. Das Gaspedal durchgedrueckt und die Kuh zum Gallopieren gebracht. Bevor es soweit war, uebte ich aber noch auf einem kleinen Fussballplatz (mitten im Urwald auf nem Gutshof?! Keine Ahnung, was der da zu suchen hat). Mein Gastbruder machte in der Zwischenzeit ein Gatter auf, das einen Hund und noch eine Kuh einsperrten und wo auch die gesuchten Fruechte zu finden waren. Nein, Moment...zwei Hunde. Das is doch keine Kuh. Alter, was fuer ein Riesenvieh! Ich hab schon 7.-Klaessler gesehen, die kleiner waren.
Die Rasse etwa!

Ok, also erstmal Fruechte sammeln. Wir schlossen das Gatter wieder zu und suchen. Guayabas und Limonen. Kein Ding. Oder doch? Mein Gastbruder hatte keine Ahnung, wo welche Frucht waechst und ich kannte die eine Frucht erst seit zehn Minuten. Er liess seinem Unmut dann auch mit entsprechenden Phrasen freien Lauf, die meine Vokabelliste wieder ordentlich erweiterte. Es fielen aber auch mehrfach Klassiker wie "puta madre" oder "arbol de mierda". Schliesslich ueberzeugte ich ihn davon, zu wissen, wo die Limonen zu finden waren. Bei absolutem Unwissen voellige Selbstsicherheit ausstrahlen. So kommt man immer weiter. Spaeter stellte sich heraus, dass wir vor allem Pampelmusen gesammelt hatten. Nur ein paar wenige Limonen. Mein Gastpapa war nicht sehr "amused". Auf jeden Fall stellten wir bei der Rueckkehr fest, dass sich drei Kuehe und ein junger Stier am Quad zu schaffen machten. Nenn es Rache, nenn es Sabotage. Auf jeden Fall waren die Steaks auf Beinen recht dreist. Mein Gastbruder drohte ihnen mit dem Freilassen der Hundkuh. Wie ich spaeter erfuhr gab es frueher drei von denen und einmal brachen sie nachts aus und toeteten eine Kuh und frassen sie halb auf. Aber ich solle keine Angst haben. Der wolle nur spielen. Yo, leck mich! Ich will hier raus. Aber eigentlich hat er echt nicht so den aggressiven Eindruck gemacht und lieber als diese hinterlistigen Wiederkaeuer war er mir allemal.
Wir kamen also wieder durch das Gatter und Enrico zuendete den Motor und die Kuehe hauten ab!

Danach hab ich mir noch ein geiles Buch von der Kollektion meines Onkels aussuchen duerfen (was mir mein GastVATER erlaubte, der dort ueber keinerlei Eigentumsrecht verfuegt!) und dann gings wieder ab nach Asunción. Auf dem Weg gabs mal wieder nur Reggaeton und Lady Gaga im Radio, die aber adaequat von meinem Gastpapa und mir verschmaeht wurden!

In diesem Sinne,

bis bald, Caballeros! :-)

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